Tagebuch einer Reisenden


Unterwegs auf der Via Karelia

Mein Navi zeigte mir an, dass ich bis nachts um elf fahren müsste bis Hossa. Ich würde einfach unterwegs auswärts essen, war der Plan, aber das ist gar nicht so leicht, wenn es nicht ein Tankstellenshop sein soll. Zuletzt misslang auch das, denn der schliesslich angesteuerte hatte dann schon zu, und so wurde mir Hossa dann doch etwas zu weit, und nach einem Tankstopp kurz vor dem Eindunkeln liess ich mir von park4night Plätze vorschlagen, die mich zwar nicht so begeisterten, aber ich war einfach zu müde. Es ist immer etwas schräg, so im Dunkeln noch einen Platz anzufahren. Der Regen machte das grad nicht besser, ein gspässiges Auto stand blinkend beim letzten Abzweiger, zwei Damen stiegen am Ziel grad noch in ihr Auto am Badestrand und dann war ich allein, und so verkroch ich mich ohne Znacht im Auto.

Der Weg zum Fisch

Bei Nieselregen am Morgen beschloss ich, dass ich es jetz doch noch wissen wollte mit Fischen, also stoppte ich in Suomussalmi, um mich mit dem benötigten Equipment und Köder einzudecken. Danach war ich natürlich erpicht, das auszuprobieren und so suchte ich mir in OSMand, das Wetter war immerno grauslig, eine Schutzhütte am See, wo ausser einem einzelnen Fischerboot in der Hafenanlage nix war, ausser mir, der Hütte und allem, was so dazugehört (=Trocken-Klo und Holzschopf).

Also bastelte ich mir im Nieselregen mal das Equipment zusammen, probierte es naturlich zur Unzeit ohne Erfolg aus und verzog mich dann in die Hütte, wo ich mich mit Birkenrindenhandwerk und Pancakes beschaftigte.

Beim erneuten Versuch am Abend biss tatsächlich ein Mini-Egli an! Mein allererster selbstgeangelter Fisch, seit ich als Kind mit der Familie am Murtensee war, und das bloss mit Rute und Leine, also ohne viel technisches Gedöns. Ich war happy und benutzte den gleich als Köder, bis er mir beim Aiswerfen abhanden kam. Der Fischer kam am Abend auch vorbei und winkte mir bei der Wegfahrt freundlich zu; als er mit seinem Boot zurückkam, versuchte er mir etwas auf Finnisch zu erklären (ich glaube, dassnich in der Hütte gerne Feuer machen könne, aber eben), doch beide hantierten wir mit unseren Übersetzungsapps eher erfolglos, und so wünschte er mir Hyvä Irgendwas und machte eine Geste, die nur Gute Nacht heissen konnte, und zottelte von dannen.

Der frühe Vogel fängt den Wurm, und mit Würmern fängt mensch Fische, also ich um Sieben morgens wieder draussen am Pier, ohne dass etwas anbeisst. Es war windig und die Wellen höher als bei der Paddel-Querung mit Tiina, also nicht so Angelwetter. Bis der Fischer anmarschiert kommt und mir bedeutet, no fish, was ja au wieder zweideutig ist: darf ich nicht oder hat’s keine?? Item, just in dem Moment beisst tatsächlich einer an, sicher drei- bis viermal so gross, wie der Egli gestern, aber halt immer noch klein.

Dann musste der arme Mann mir Dilettantin beim Hantieren mit dem Winzling zuschauen, der mir beim K.O.-Hauen prompt aus der Hand flutschte…🙈 Er wandte sich ab zu seinem Boot und verschwand, und ich konnte das arme Ding dann wenigstens alleine Ausnehmen. Schliesslich packte ich mein Zeugs zusammen und räumte die Hüttea auf (Ehrenkodex, dass man sie mindesten so schniek, wenn nicht besser wie vorgefunden verlässt, mit Holz und Kindling zum Einfeuern bereit), und war eigentlich abfahrbereit, als er wieder auftauchte. Ich fütterte also Google Translate mit einem Dank und Abschiedsgruss, den ich ihm noch geben wollte und ging mit Keksen bewaffnet zu ihm. Haben wollte er weder Keks noch Kaffee, aber mir einen Fisch schenken, den er sogar noch extra für mich ausnahm. Ich war sehr gerührt. Er hatte wohl sehr Mitleid nach meinen Bemühungen😂.

Wir radegoogletranslateten noch ein wenig miteinander, er zeigte mir noch, wie er die kleinen Fischchen, es waren glaub ich Maränen, mit blossen Fingern ausnahm, ich machte mich mit vielen Kiitos und einem grossen Zander auf den Weg nach Hossa, wo ich letzteren auf dem Zeltplatz genüsslich auf dem Feuer briet und mich jetzt völlig überfressen auf die erste Sauna (endlich!) freue.

Rentier Rudi in voller Grösse und total relaxed; besser ohne Ton, das Hörbuch hilft der Atmosphäre nicht


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