Nach dem Nordkapp fehlte mir ja plötzlich mein grauer Stuhl, und ich begann etwas an mir zu zweifeln … wie vergesslich werd ich denn noch? Naja, Schwund ist überall, sagte ich mir, und ich habe ja noch die Drei-Bein-Hocker, ohne Lehne halt. Und wenn ich unbedingt wollen würde, ist ja auch das neue Sofa mit dabei, aber das war mir immer zu umständlich zum aus- und einladen so, wie ich es für diese Reise verstaut hatte. Item. Irgendwann kam ich zum Schluss, dass der letzte Ort, wo ich den Stuhl benutzt hatte, bei meiner Übernachtung am Ounasjoki war, wo ich ja dann letztlich im Lean-to-Shelter gekocht hatte mit dem Feuer im Rücken, weil es so frisch war.
Nun lag Kittilä ja an meinem Weg zurück nach Inari, und von da waren es bloss 14 km zu dem Platz. Irgendwo musste ich ja nochmal schlafen, also wieso nicht da, wo es so viele Beeren hatte und sonst keine Leute. Aber ich greife vor. Zuerst musste ich ja vom Inarijärvi nach Sodankylä und dort einen Haken nach Westen schlagen (die direkte Route über Pokka hatte ich verworfen, weil mir Christian in Hetta gesagt hatte, ab Pokka bis Kittilä wären es 70 km übelste Schlaglochpiste gewesen). Ausserdem wollte ich auch gerne nochmal Angeln, und eine Dusche wäre längst mal wieder überfällig. Also doch Camping und Sauna? Mööö, keine Lust, aber auf OSMand fand ich eine Schutzhütte mit Badestrand an einem See, die wollte ich mal auschecken.
Der Spot entpuppte sich als echtes Schmuckstück. Zwar mit einem Schild, das Camping verboten ist, aber das störte mich ja nicht, ich wollte hier ja bloss fischen, abhängen, essen und mich wieder menschentauglich machen. Die schöne Schutzhütte liess ich unangetastet, dafür war viel zu gutes Wetter; stattdessen feuerte ich draussen ein und machte schon mal die Pilze startklar, die noch weggefuttert werden mussten. Aber so ein Fisch überm Feuer, das wär schon schön, also flink am Badesteg die Angel ausgeworfen (eingetunkt trifft es eher), weiss ich doch, dass Fische gerne unter solchen Stegen hocken. Und prompt hatte ich ein dickliches Rotauge an der Angel.
Da der Wurm noch dran war, ging es weiter. Und da waren doch prompt so Schlaumeierfische dabei, die mir den Wurm nach und nach vom Haken frassen, ohne dass ich sie erwischte. OK, I’m game, sagte ich mir, und opferte einen zweiten Wurm, den ich aber – danke für den Tipp Roli – mehr oder weniger der Länge nach auf den Haken aufzog. Und prompt ging mir ein erster Egli an den Haken; zu klein, wieder rein mit dir. Als nächstes biss ein hübscher Felchen an, und weil ich noch immer Wum an der Angel hatte, ging der nochmal baden. Als dann nach einigen Fehlbissen der grössere Egli am Haken war, liess ich es gut sein. Das reicht fürs Zmittag, auch wenn ich Lust gehabt hätte, noch mehr Fische zu angeln.
Zmittag im Kasten, lecker vom Feuer, nur das Duschwasser mochte nicht ganz so warm werden, wie gewünscht, aber warm genug, um sauber zu werden, war es dann schon. Ja und dann zuckelte ich gemütlich die restlichen 70 km bis zum Shelter, die werdende Ruska bestaunend, die aber hier deutlich unter der finnischen Monokultur-Waldwirtschaft leidet. Das flashige Rot taucht nur sehr selten auf (oder ich bin noch zu früh) und wenn, dann kann ich da grad garantiert nicht anhalten. Jetzt müsste gewandert werden, doch dafür habe ich keine Zeit mehr. Auf mich wartet das letzte Lagerfeuer in Finnland, wie die Zeit vergeht …































Kolari entpuppt sich als ziemliches Nest, aber beim Gemeindehaus gibt‘s ein Lounaskahvila (ein Zmittags-Kafi, quais) – mit viel Herzblut geführt – und die Bibliothek natürlich. So bleibt mir nur noch, mich in die heute glücklicherweise öffentlich zugängliche Bibliothek zu verziehen, diesen Beitrag zu schreiben und die Zeit bis zum Zug totzukriegen. Gut, hat die Bibliothek geöffnet bis 18 Uhr!

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